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Ein neues Kutschenmuseum im alten königlichen Tatoï Palast in Athen - Jean Louis Libourel


 

 

Ein neues Kutschenmuseum

im alten königlichen Tatoï Palast in Athen

 

In unseren heutigen Zeiten ist die Gründung eines Kutschenmuseums schon etwas sehr Spezielles.

Deshalb freuen auch wir uns über die Eröffnung eines Museums für königlich- griechische Pferdewagen im historischen Tatoï Palast.

Die griechische Regierung hat für 1,4 Mio € den Tatoï Palast, die alte Sommerresidenz der griechischen Königsfamilie in der Nähe von Athen renovieren lassen, der seit dem Staatsstreich der Militärs 1967 mit der Vertreibung des letzten Griechenkönigs Constantin II und der Einsetzung einer Militärdiktatur verlassen war.

« Einfach vergessen » schienen seit 52 Jahren in einer Remise des Tatoï Palastes 12 Wagen der königlichen Familie, die nun bei den umfangreichen Renovierungsmaßnahmen des Palastes wieder zum Vorschein kamen. Die griechischen staatlichen Behörden trafen die kluge Entscheidung, diesen Fund der Allgemeinheit in einem Museum auf dem Gelände des Tatoï Palastes zu präsentieren. Dieses neue Museum wurde am 27.Dezember 2020 durch die griechische Ministerin für Kultur, Frau Lina Mendoni, eröffnet.

Diese Wagensammlung enthält ein Chariot d´Aumont, drei Gala-Berlinen, einen Landauer (eigentlich eine Berline, die nach den Plänen des DekorateursLeandros Spartiotis in einen Landauer umgewandelt wurde), einen großen Break drei kleine Coupés eckiger Form, einen Grand Duc, einen Tilbury und einen leichten Wagen mit 2 Rädern.

Eine der drei großen Gala-Berlinen kommt aus der Manufaktur der Gebrüder Binder. Sie kam 1962 zum Einsatz bei der Hochzeit von Prinzessin Sofia, Schwester des Königs Constantin II, mit Prinz Juan Carlos von Borbón – seit 1975 König von Spanien. Diese Berline ist eng verbunden mit der Geschichte des französischen Kutschenbaus. Nach dem Sturz Napoléons III und damit des 2. Kaiserreichs, wurde die Restaurierung der französischen Monarchie in Angriff genommen.

Der Graf von Chambord, letzter Repräsentant der älteren Linie des Hauses Bourbon, war vorgesehen unter dem Namen Henri V König von Frankreich zu werden. Es wurden für seinen geplanten Einzug in Paris nach seiner möglichen Krönung bereits im Jahr 1872 insgesamt 8 Wagen bestellt: eine große Gala-Berline, eine weitere Berline, eine Berline à la d‘Aumont, drei Kaleschen à la d’Aumont , ein Landauer à la d’Aumont und ein Chariot - selbstverständlich bei den Gebrüdern Binder, die damals die berühmtesten Pariser Carossiers waren – quasi die „Könige des Wagenbaus“.

Weil jedoch der Graf von Chambord im Jahr 1873 die Krönung zum König von Frankreich ablehnte, wurden diese Wagen niemals ausgeliefert. Die Firma Binder lagerte sie sorgfältig geschützt in ihren Magazinen bis 1891.Dann wurden vier von ihnen doch nach Chambord geliefert, auf Bestellung von Robert de Parme, dem neuen Besitzer des Schloßes. Die vier anderen wurden von Binder verkauft: eine Berline, die später auch in Chambord landete, an den Duc de Brissac; eine Berline an den Khedive von Ägypten (heute zu sehen im Königlichen Wagen-Museum von Kairo), eine weitere an den griechischen König Georg I. Genau diese wurde bei der Hochzeit von Prinzessin Sofia von Griechenland mit Prinz Juan Carlos von Bourbón eingesetzt und ist heute das Prunkstück im Königlichen Kutschen-Museum von Tatoï.