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Der Bericht CIAT CUTS 2014


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Das Traditionsturnier in Cuts des Jahres 2014

 

Andres Furger

Wie wird ein kleiner Ort wie Cuts nördlich von Paris zum Mekka der europäischen Traditionsfahrer? Es ist der gelungene Mix zwischen einem hübschen Schlosspark als Austragungsort, einer reizenden Gastgeber-Familie und der hohen Qualität der Equipagen mit Teilnehmern aus ganz Europa.

   

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Das 18. Traditionsturnier in Cuts konnte 2014 noch einmal zulegen. Die Fahrerinnen und Fahrer zeigten höchste Qualität bezüglich Pferde, Wagen und Auftritt. Dieser Concours d’Attelage de Tradition zeugt von gelebter Kultur der Traditionsszene, aber durchaus mit einer sportlichen Note. Diese Kombination reizt die vielen Teilnahmer zur Teilnahme. Es gehört heute fast zum guten Ton der ambitionierten Traditionsfahrer, einmal in Cuts gestartet zu sein. Der rund 15 km lange Routier, eine Ausfahrt, die im Schnelltrab samt Steigung und Gefälle zurückzulegen ist, bedingt eine hohe Kondition der Pferde. Dazu kommen im Schlussteil zwischengeschaltete Hindernisse wie Halten ohne Bremse, Rückwärtssrichten, Volte mit einer Hand und Vorbeifahren an einem Hindernis ohne auszubrechen. Anspruchsvoll ist auch der Kegelparcours, der nur von wenigen ohne Abwurf und in der geforderten Zeit bewältigt wird. Diese sportliche Seite, verbunden mit einem stilvollen Auftritt ist typisch für Cuts. Damit liegt dieser Anlass in der Mitte zwischen der eleganten Ausfahrt, wie dies etwa der Private Driving Club pflegt, und dem FEI-Leistungssport.

 

In Cuts sind rings um den Turnierplatz Zelte mit einem hübschen Angebot an Waren aufgestellt. Besonders frequentiert wird der Verkaufsstand der AFA, der Association Française de l’Attelage, dem Trägerverein des Anlasses. Der Fahrplatz von Cuts profitiert von seiner pittoresken Lage in einem Parkareal mit einem kleinen Schloss als Hauptkulisse.

 

Dieses Jahr begann das Turnier wieder am Samstag mit der Präsentation der Gespanne direkt vor dem Schloss in den verschiedenen Klassen Poney, Ein- bis Fünfspänner, Tandem und Coaches. Sonntag früh folgten der Routier, am Nachmittag das Kegelfahren und schliesslich gegen 18 Uhr die Rangverkündigung. Das Wetter war für die Pferde ideal, nicht zu heiss und nur wenig Regen. Dementsprechend war der Publikumsaufmarsch am Sonntag Nachmittag, schätzungsweise 2 000 bis 3 000 Erwachsene und Kinder verfolgten das Geschehen. Die Aktiven aus Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Hollland, Italien, Irland, Luxemburg, Polen, der Schweiz und aus Spanien bekamen hier so viel Applaus und Anteilnahme wie kaum anderswo an einem Traditionsturnier.

 

Damit ist die herzliche und gelassene Stimmung von Cuts angesprochen, die dieses Turnier so einzigartig macht. Es ist das Zusammenspiel zwischen den Organisatoren, alles Freiwillige, die ohne Entgelt hier arbeiten, der lokalen Bevölkerung und den internationalen Teilnehmern. Die Seele dahinter sind drei Generationen der hier ansässigen Familie de Langlade, angeführt von Antoinette und Christian de Langlade (Präsident der AFA und der AIAT). Ihr Hauptanliegen, Vergnügen, Sport und Gastfreundschaft miteinander zu verbinden, durchdringt den ganzen Anlass.

 

Auf die guten internationalen Verbindungen der Gastgeberfamilie geht auch die rege Teilnahme von weit hergereisten Länderdelegationen zurück. Dazu gehören einige Spanier aus Andalusien. 2014 reisten sie gleich mit vier Gespannen an, wobei der Viererzug von G. Aranda Lamas am meisten Furore machte. Zogen doch seine hübschen braunen Andalusier eine einzigartige Mini-Coach von Cesare Sala in Milano in musealer Qualität. Sie wurde vom Speaker, dem französischen Kutschen-Kenner Jean-Louis Libourel, vor dem Schloss eingehend gewürdigt. Dort wirkte dieses Jahr als Chef der Richter wieder Richard James, langjähriger Herausgeber des englischen Magazins „Carriage Driving“. Er ist mit seinem britischen Humor auch ein Teil der „Seele von Cuts“. So begrüsste er dieses Jahr den Schreibenden, angefahren mit einem leichten Dogcart und ebensolchem Geschirr, aber mit etwas schwerer Ellbogen-Kandare ausgestattet, mit dem Satz, ob die „Swiss Army“ ihm dieses Teil ausgeliehen habe ... Es wird hier eben alles nicht so ernst genommen und man soll voneinander lernen können. An der Seite von Richard James wirkten als Richter der Franzose Reinhold Trapp und der Spanier José Juan Morales Fernandez, der Vizepräsident der AIAT.

 

In Cuts sind jeweils auch Engländer, die sonst auf dem Kontinent weniger zu sehen sind, gut vertreten. Dieses Jahr kamen sie gleich mit zwei rassigen Hackney-Viererzügen über den Kanal, zwei wunderbare Passgespannen, die sauber herausgebracht wurden. Damit spiegelten sie eine aktuelle Tendenz im Traditionssport, Pferde mit viel Potenzial und guter Ausbildung vorzuführen. In dieser schaumässigen Sparte brillierten vor allem die Italiener. Für Aufsehen sorgte in Cuts der Pferdeausbildner und Pferdehändler Pasquale Beretta aus Bergamo. Sein siebenjähriger Lusitano-Hengst beherrscht am Wagen einige Gänge der Hohen Schule wie Passage und Spanischer Schritt und sogar die Levade und das Terre à Terre.

 

Traditionell sind im französischen Cuts die Nachbarländer Frankreichs wie Belgien, Holland, Deutschland sowie die Schweiz gut vertreten, wobei auch dieses Jahr wieder die Belgier die meisten Preise abräumten. Die meisten Teilnehmer kommen aber nicht zum Siegen, das Mitmachen auf einem hohen Niveau steht im Vordergrund.

 

Ein wichtiges Element des Cuts-Wochenendes (jeweils am vierten Wochenende im Mai) ist der Austausch unter den Teilnehmern. Dazu gehören die gemeinsamen Essen, angefangen mit dem AIAT-Abendessen im lokalen Restaurant am Freitagabend, gefolgt vom grossen Gala-Dinner am Samstag im Festzelt und schliesslich dem gemütlichen Sauerkraut-Essen am Sonntag Abend.

 

Der Erfolg von Cuts führt zu immer mehr Teilnehmern. Dieses Jahr waren es über 60 Gespanne. Bei dieser Rekordbeteiligung zeigen sich indessen Grenzen, auch vom Platz her. Das zeigte sich bei der eindrucksvollen Ehrenrunde der Gespanne nach der Rangverkündigung. Der zentrale Fahrplatz ist fast zu klein für einen flotten Trab aller Equipagen hintereinander vor den Ehrengästen und Organisatoren; die Familie de Langlade wird wohl die Teilnehmerzahl in den künftigen Jahren noch etwas mehr steuern müssen, diskret, wie man das von ihnen gewohnt ist. Qualität geht in Cuts über die Quantität, das ist auch eines der Erfolgsgeheimnisse dieses Anlasses.

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Liste der Sieger:

 

Poney-Einspänner  :  Koen DEPAEPE (B)

Poney-Zweispänner  :  Anne STORME (B)

Einspänner:   Bert DE MOOIJ  (NL)`

Zweispänner :   Donna DEPAEPE (B)

Tandem  :   Urbain VAN DE VOORDE (B)

Dreispänner :  Omer MATTHYS

Vierspänner  :  Jürg STETTLER  (CH)

Fünfspänner :  Bernd SCHNUR  (D)

Coaches  :  Gregorio ARANDA LAMAS  (E)

 

Gesamtsieger : Urbain VAN DE VOORDE (B)

Publikumspreis :  Christian GALLAS  (F), Zweispänner Esel.

 

1 poney  :  Koen DEPAEPE (B)

2 poneys  :  Anne STORME (B)

1 cheval  :   Bert DE MOOIJ  (NL)`

2 chevaux :   Donna DEPAEPE (B)

Tandems  :   Urbain VAN DE VOORDE (B)

3 chevaux ou poneys  :  Omer MATTHYS

4 chevaux  :  Jürg STETTLER  (CH)

Grande Arbalète  :  Bernd SCHNUR  (D)

Coaches  :  Gregorio ARANDA LAMAS  (E)

 

Gagnant toutes catégories : Urbain VAN DE VOORDE (B)

Prix du Public du Conseil général de l'Oise :  Christian GALLAS  (F) avec un délicieux attelage de deux ânes !

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